Nebulis Traumweg

Mach es dir ganz gemütlich. So gemütlich, wie es für dich gerade richtig ist. Vielleicht möchtest du deine Arme locker neben dich legen, deine Hände auf deinen Bauch legen oder dich noch ein kleines bisschen tiefer in dein Kissen kuscheln. Schließe deine Augen und atme einmal langsam ein und wieder aus. Und noch einmal ein und ganz ruhig wieder aus. Spürst du, wie dein Körper langsam ein bisschen schwerer wird? Deine Füße dürfen sich ausruhen, deine Beine dürfen ganz locker werden, dein Bauch wird weich und ruhig und auch deine Schultern dürfen loslassen. Du musst jetzt nichts mehr tun.

Denn Traumilo hat für diese Nacht einen ganz besonderen Traum für dich ausgesucht. Er nimmt eine kleine Handvoll seines silbernen Traumstaubs und pustet ihn ganz vorsichtig in die Nacht. Und plötzlich bist du im Miralumiwald. Es ist Abend geworden. Über dir breiten die großen alten Bäume ihre Äste aus. Zwischen ihren Blättern kannst du den Mond sehen. Sein helles Licht fällt in silbernen Flecken auf den Waldboden. Alles ist ganz still. Nur manchmal rascheln ein paar Blätter im Wind. Irgendwo zirpt eine Grille und weit entfernt hörst du das leise Rufen einer Eule. Du atmest die kühle, klare Waldluft ein. Sie riecht nach Moos und Erde, nach Blättern und ein kleines bisschen nach den Blumen, die irgendwo zwischen den Bäumen wachsen.

Da hörst du etwas. Ganz leise. Tapp … tapp … tapp … Zwischen den Bäumen bewegt sich etwas. Zwei kleine Augen funkeln im Mondlicht. Es ist Nebuli. Die kleine Traumkatze kommt auf ihren weichen Pfoten zu dir. Ganz langsam und ganz leise. Als er bei dir angekommen ist, streicht er zuerst an deinem einen Bein entlang und dann am anderen. Sein Fell fühlt sich weich und warm an. Du gehst ein kleines bisschen in die Hocke und streichelst vorsichtig über seinen Rücken. Nebuli schließt die Augen und dann beginnt er zu schnurren. Ganz tief und zufrieden. Vielleicht kannst du sein Schnurren sogar in deiner Hand spüren. Dieses kleine, sanfte Brummen fühlt sich warm und beruhigend an. Fast so, als würde Nebuli dir sagen: Du bist hier sicher.

Du streichelst noch einmal über sein weiches Fell. Dann öffnet Nebuli seine Augen, schaut dich an und läuft plötzlich ein paar Schritte davon. Nach einigen Metern bleibt er stehen und schaut zurück zu dir. Offenbar möchte er, dass du mitkommst. Also folgst du ihm. Nebuli setzt eine Pfote vor die andere. Doch da geschieht etwas Merkwürdiges. Überall dort, wo seine kleinen Pfoten den Boden berühren, beginnt etwas zu glitzern. Erst ganz schwach, dann immer heller. Kleine silberne Lichtpunkte erscheinen zwischen Moos, Blättern und Gräsern. Tapp – ein neuer Lichtpunkt. Tapp – noch einer. Nebuli hinterlässt eine ganze Spur aus kleinen funkelnden Sternen.

Du folgst dieser Spur. Der Weg schlängelt sich zwischen den Bäumen hindurch. Manchmal führt er unter tiefen Ästen hindurch, manchmal an großen Farnen vorbei und manchmal über weiches Moos. Und während du weitergehst, merkst du, dass es mit jedem Schritt ein bisschen ruhiger in dir wird. Alles, was heute vielleicht noch in deinem Kopf herumgewuselt ist, darf langsam leiser werden. Gedanken an Dinge, die du noch machen wolltest. Dinge, die heute passiert sind. Vielleicht auch etwas, worüber du dich geärgert hast oder etwas, das dich beschäftigt. Du musst diese Gedanken nicht wegschieben. Du kannst sie einfach am Wegesrand ablegen.

Vielleicht stellst du dir vor, dass du einen Gedanken auf ein Blatt legst. Der Wind kommt, hebt das Blatt vorsichtig hoch und trägt es davon. Noch einen Gedanken kannst du auf ein anderes Blatt legen. Auch dieses wird vom Wind mitgenommen, immer weiter durch den Miralumiwald. Du brauchst diese Gedanken jetzt nicht mehr. Nicht für diese Nacht.

Nebuli wartet ein kleines Stück vor dir. Als du bei ihm angekommen bist, streicht er kurz an deinem Bein entlang. Dann geht ihr gemeinsam weiter. Deine Schritte werden langsamer, dein Atem wird ruhiger und dein Körper fühlt sich angenehm schwer und warm an.

Schließlich werden die Bäume vor euch weniger. Zwischen den letzten Ästen siehst du ein sanftes weißes Leuchten. Nebuli läuft darauf zu. Und als du ihm folgst, entdeckst du etwas Wunderschönes. Mitten zwischen den Bäumen schwebt eine große, weiche, weiße Wolke ganz dicht über dem Boden. Sie sieht so weich aus wie das gemütlichste Kissen, das du dir vorstellen kannst. Nebuli springt hinein. Puff. Für einen Moment verschwindet er fast in der weichen Wolke. Dann schaut nur noch sein kleiner Kopf heraus. Du musst vielleicht ein bisschen lächeln. Nebuli blinzelt dich an.

Also kletterst auch du auf die Wolke. Sie gibt ganz sanft unter deinem Körper nach. Du legst dich hinein und sofort merkst du, wie weich sie ist. Sie trägt deinen Kopf, deinen Rücken, deine Arme, deine Beine und deine Füße. Du musst nichts festhalten. Du musst nirgendwohin. Die Wolke trägt dich.

Nebuli rückt ganz nah an dich heran. Du spürst sein warmes Fell neben dir. Vielleicht legst du eine Hand auf seinen Rücken. Wieder beginnt er zu schnurren. Ganz ruhig und ganz gleichmäßig. Während du Nebulis Schnurren hörst, beginnt die Wolke ganz sanft zu schaukeln. Nur ein kleines bisschen. Hin und her. Hin und her. Über euch leuchtet der Mond. Zwischen den Bäumen funkeln die Sterne. Und irgendwo im Miralumiwald ist Traumilo unterwegs und bringt den anderen Kindern und Tieren ihre Träume. Aber deinen Traum hat er längst gefunden. Er ist genau hier. Auf dieser weichen weißen Wolke. Neben Nebuli. Warm, geborgen und ganz sicher.

Du atmest noch einmal langsam ein und wieder aus. Deine Augen dürfen ganz schwer werden. Deine Arme dürfen schwer werden, deine Beine dürfen schwer werden und dein ganzer Körper darf sich ausruhen. Nebuli kuschelt sich noch ein kleines bisschen näher an dich. Sein Schnurren wird leiser und leiser, bis du es beinahe nur noch fühlen kannst. Die Wolke trägt dich weiter durch die Nacht. Ganz sanft und ganz langsam. Und vielleicht schläfst du schon ein, bevor du überhaupt bemerkst, wohin sie dich bringt. Denn Nebuli bleibt bei dir und Traumilo passt auf deinen Traum auf. Schlaf schön und träum dich hinein in den Miralumiwald.

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