Der Berg der kleinen Schritte

Mach es dir ganz gemütlich und schließe deine Augen. Atme ruhig ein und wieder aus. Lass deine Beine schwer werden und deine Arme ganz locker neben dir liegen. Traumilo kommt heute mit einem besonders funkelnden Traum zu dir. Ein wenig Traumstaub genügt und schon stehst du gemeinsam mit ihm am Rand des Miralumiwaldes.

Vor euch erhebt sich ein hoher grüner Berg. Ganz oben leuchtet etwas Goldenes. Traumilo erzählt dir, dass man vom Gipfel aus den gesamten Miralumiwald sehen kann: den Sternensee, die Sternenwiese, den Eulenhain und sogar die Regenbogenbrücke. Du möchtest unbedingt hinauf. Doch als du den Kopf in den Nacken legst und nach oben schaust, erscheint dir der Berg plötzlich riesig. Der Weg windet sich immer höher und höher. „Das schaffe ich nie“, denkst du vielleicht.

Traumilo schaut gar nicht zum Gipfel. Er zeigt direkt vor deine Füße. Dort leuchtet eine kleine goldene Fußspur. „Bis hierhin?“, fragt er. Das ist nicht weit. Also gehst du hin. Sofort erscheint ein Stück weiter die nächste Spur. Dann noch eine. Du gehst von einer zur anderen.

Manchmal ist der Weg leicht. Manchmal musst du über eine Wurzel steigen. Einmal liegt ein großer Stein im Weg und du musst einen anderen Weg darum herum suchen. An einer Stelle bist du müde und setzt dich mit Traumilo ins Gras. Denn eine Pause bedeutet nicht, dass man aufgegeben hat. Manchmal braucht ein Körper einfach neue Kraft.

Nach einer Weile geht ihr weiter. Eine Fußspur. Noch eine. Und noch eine. Du schaust gar nicht mehr ständig nach oben. Du achtest nur darauf, wo du jetzt gerade bist. Und irgendwann sagt Traumilo: „Schau mal.“

Du hebst den Kopf. Vor dir ist keine weitere goldene Fußspur. Stattdessen liegt dort eine große, leuchtende Fläche. Du hast den Gipfel erreicht.

Unter dir breitet sich der gesamte Miralumiwald aus. Der Sternensee glitzert wie ein Spiegel. Kleine Lichter funkeln zwischen den Bäumen und in der Ferne kannst du sogar den Wasserfall erkennen. Du drehst dich um und schaust den Weg hinunter. All die kleinen goldenen Fußspuren leuchten hintereinander den Berg hinab.

So weit bist du gegangen. Dabei hast du immer nur einen einzigen kleinen Schritt gemacht.

Vielleicht gibt es etwas, das dir manchmal viel zu schwer erscheint. Etwas, das du lernen möchtest. Etwas, das beim ersten Mal nicht funktioniert. Vielleicht möchtest du dann am liebsten sagen: „Ich kann das nicht.“ Traumilo würde wahrscheinlich ein kleines Wort hinzufügen: „Noch.“ Ich kann das noch nicht. Denn niemand weiß, wie viele kleine Schritte noch vor dir liegen und was du auf ihnen alles lernen wirst.

Du setzt dich mit Traumilo oben ins weiche Gras. Du musst heute keinen Berg mehr hinaufsteigen. Dein Körper darf ganz schwer werden. Dein Atem wird ruhig. Und während du langsam zurück in dein Bett gleitest, bleibt irgendwo in dir das Wissen: Große Wege bestehen aus vielen kleinen Schritten. Und kleine Schritte kannst du gehen. Gute Nacht.

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