Der kleine Stern in dir

Mach es dir ganz gemütlich und kuschle dich in deine Decke. Schließe langsam deine Augen und atme tief ein … und ganz ruhig wieder aus. Noch einmal ein … und wieder aus. Spüre, wie dein Körper langsam zur Ruhe kommt. Deine Füße dürfen sich entspannen, deine Beine werden locker und auch deine Schultern dürfen alles loslassen, was sie heute noch festgehalten haben. Du musst jetzt nichts mehr tun. Denn Traumilo wartet schon auf dich. Vorsichtig öffnet er sein kleines Säckchen mit dem Traumstaub, nimmt eine winzige Prise zwischen seine Finger und pustet sie in die Nacht. Die silbernen Pünktchen schweben zu dir herüber und plötzlich stehst du mitten im Miralumiwald.

Heute ist die Nacht besonders dunkel. Der Mond versteckt sich hinter den Wolken und selbst die Sterne sind kaum zu sehen. Vor dir steht Traumilo. „Komm“, sagt er leise. „Ich möchte dir etwas zeigen.“ Gemeinsam geht ihr einen schmalen Waldweg entlang. Anfangs kannst du die Bäume noch gut erkennen, doch nach einer Weile wird es immer dunkler. Die großen Stämme werfen lange Schatten und der Weg vor dir ist kaum noch zu sehen. Vielleicht fühlt sich dein Bauch plötzlich ein bisschen komisch an. Vielleicht möchtest du lieber stehen bleiben. Das darfst du. Manchmal gibt es Situationen, bei denen wir noch nicht wissen, was vor uns liegt. Dann kann sich selbst ein kleiner Schritt ziemlich groß anfühlen.

Traumilo bleibt neben dir stehen. Er zieht dich nicht weiter und sagt auch nicht, dass du dich beeilen sollst. Er wartet einfach. „Du musst nicht den ganzen Weg schaffen“, sagt er schließlich. „Nur einen einzigen Schritt.“ Du schaust auf deine Füße und setzt vorsichtig einen Fuß nach vorne. In diesem Augenblick geschieht etwas Seltsames. Mitten in deiner Brust leuchtet ein winziger goldener Punkt auf. Du bleibst überrascht stehen. Das Licht ist klein, aber warm. Du machst noch einen Schritt. Das Licht wird ein bisschen heller. Noch einen Schritt. Jetzt kannst du sogar den Boden vor deinen Füßen erkennen.

Langsam gehst du weiter. Bei jedem Schritt wächst das kleine Licht in dir. Es strahlt von deiner Brust bis in deinen Bauch, in deine Arme und bis in deine Fingerspitzen. Und plötzlich merkst du: Das Licht zeigt dir den Weg. Nicht Traumilo. Nicht der Mond. Nicht die Sterne. Dein eigenes Licht.

Vielleicht gibt es auch in deinem richtigen Leben manchmal etwas, vor dem du ein bisschen Angst hast. Etwas Neues, das du ausprobieren möchtest. Einen Ort, den du noch nicht kennst. Eine Aufgabe, bei der du nicht weißt, ob du sie schaffen kannst. Mut bedeutet nicht, niemals Angst zu haben. Mut kann auch bedeuten, dass dein Bauch ein bisschen kribbelt und du trotzdem einen kleinen Schritt wagst.

Vor euch werden die Bäume plötzlich lichter. Ihr tretet auf eine kleine Lichtung und genau in diesem Moment schiebt sich der Mond hinter den Wolken hervor. Du schaust zurück auf den dunklen Weg, den du gerade gegangen bist. Von hier aus sieht er gar nicht mehr so unheimlich aus. Traumilo lächelt. „Weißt du jetzt, wo dein Mut wohnt?“ Du legst eine Hand auf deine Brust. Dort glimmt noch immer dein kleiner Stern.

Du darfst ihn behalten. Er muss nicht immer riesengroß leuchten. Manchmal ist er vielleicht nur ein winziger Funke. Aber er ist da. Und wenn du ihn brauchst, kannst du deine Hand auf deine Brust legen, tief einatmen und dich daran erinnern: Ich muss nicht alles auf einmal schaffen. Ein kleiner Schritt reicht.

Du spürst langsam wieder dein Bett unter dir. Dein Kissen trägt deinen Kopf und deine Decke liegt warm über deinem Körper. Traumilo streut noch ein wenig Traumstaub über deinen Schlaf. Dein kleiner Stern leuchtet ganz ruhig in dir weiter. Vielleicht brauchst du ihn morgen. Vielleicht erst an einem anderen Tag. Jetzt brauchst du gar nichts mehr zu schaffen. Jetzt darfst du einfach schlafen. Gute Nacht.

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