
Mach es dir bequem und schließe deine Augen. Atme langsam ein und wieder aus. Du musst heute nichts mehr verändern. Du musst dich nicht einmal auf eine bestimmte Weise fühlen. Traumilo nimmt dich mit zum Sternensee.
Als ihr dort ankommt, ist das Wasser vollkommen glatt. Doch plötzlich verändert sich seine Farbe. Ein roter Schimmer breitet sich über die Oberfläche aus. Rot kann sich manchmal anfühlen wie Wut. Vielleicht heiß und kräftig. Vielleicht möchtest du dann stampfen, schimpfen oder etwas ganz fest zusammendrücken.
Du und Traumilo schaut einfach zu. Niemand sagt, dass das Rot verschwinden muss.
Nach einer Weile mischt sich Blau hinein. Vielleicht kennst du auch dieses Gefühl. Traurigkeit kann sich manchmal schwer anfühlen. Vielleicht möchte man weinen oder sich einfach irgendwo einkuscheln.
Auch das Blau darf bleiben.
Dann erscheint ein helles Gelb. Es hüpft wie Sonnenlicht über die kleinen Wellen. Vielleicht ist das Freude. Das Gefühl, bei dem der Bauch leicht wird und man am liebsten lachen möchte.
Am Rand des Sees erscheint ein grauer Nebel. Vielleicht ist dort die Angst. Sie fühlt sich manchmal eng an oder lässt das Herz schneller schlagen.
Auch sie darf da sein.
Du beobachtest den See. Keine Farbe bleibt für immer gleich. Das Rot wird heller. Das Blau vermischt sich mit Silber. Das Gelb tanzt darüber. Das Grau zieht langsam weiter. Schließlich schimmert der ganze Sternensee in vielen Farben gleichzeitig.
Traumilo setzt sich mit dir ans Ufer. „So ähnlich ist es manchmal in uns“, sagt er. „Gefühle kommen und verändern sich.“
Vielleicht hattest du heute ein Gefühl, das besonders groß war. Du musst es nicht wegmachen. Du kannst ihm einfach einen Namen geben: Da ist gerade Wut. Da ist Traurigkeit. Da ist Angst. Da ist Freude. Oder vielleicht weißt du gar nicht genau, was es ist. Auch das ist in Ordnung.
Du stellst dir vor, dass dein Gefühl heute eine Farbe bekommen darf. Welche Farbe wäre es?
Lass sie für einen Moment auf deinem eigenen kleinen See erscheinen.
Du musst nichts damit tun.
Nur schauen.
Atmen.
Und wissen: Auch diese Farbe darf da sein.
Ein leichter Wind zieht über den Sternensee und verändert das Wasser wieder. Denn kein See sieht jeden Moment gleich aus. Und auch kein Gefühl bleibt für immer genau so, wie es gerade ist.
Du atmest tief ein und wieder aus. Dein Körper wird schwer. Der bunte See glitzert noch einmal im Mondlicht. Alles, was du fühlst, gehört zu dir. Aber kein einzelnes Gefühl ist alles, was du bist.
Traumilo begleitet dich zurück in dein Bett. Dein innerer See darf nun ganz ruhig werden. Morgen werden vielleicht andere Farben darin sein. Heute Nacht darfst du einfach schlafen. Gute Nacht.
