Lumis Sternengarten

Lumis Sternengarten

Mach es dir ganz gemütlich und kuschle dich in deine Decke. Lege deinen Kopf bequem auf dein Kissen und schließe langsam deine Augen. Atme tief ein und ganz ruhig wieder aus. Noch einmal ein und wieder aus. Spüre, wie dein Körper langsam ruhiger wird. Deine Füße dürfen sich entspannen, deine Beine werden ganz locker und dein Bauch hebt und senkt sich ruhig mit deinem Atem. Auch deine Schultern dürfen loslassen. Du musst jetzt nichts mehr tun. Der Tag darf langsam verschwinden und die Nacht darf beginnen.

Traumilo ist schon da. Ganz vorsichtig öffnet er sein kleines Säckchen mit dem Traumstaub. Er nimmt eine winzige Prise zwischen seine Finger und pustet sie in die Dunkelheit. Der silberne Staub schwebt durch die Luft, glitzert und funkelt und plötzlich stehst du mitten im Miralumiwald.

Es ist Nacht. Der Mond scheint durch die Zweige der Bäume und überall um dich herum leuchten kleine Lichtpunkte zwischen den Gräsern. Vor dir steht Lumi. Sie lächelt dich an. „Komm mit“, sagt sie leise. „Ich möchte dir etwas zeigen.“ Sie hält dir ihre Hand entgegen und gemeinsam geht ihr einen schmalen Weg entlang. Der Weg führt zwischen hohen Gräsern hindurch und unter den Ästen der alten Bäume entlang.

Mit jedem Schritt wird der Wald ein bisschen heller. Erst siehst du nur einen einzelnen Lichtpunkt. Dann noch einen und noch einen. Bald funkelt es überall vor euch. Lumi bleibt stehen. Vor euch befindet sich ein kleines Tor aus verschlungenen Zweigen. Zwischen den Zweigen hängen winzige Sterne und leuchten wie kleine Laternen. Lumi öffnet das Tor und dahinter liegt ein Garten, wie du ihn noch nie gesehen hast.

Ein Garten voller Sterne.

Manche Sterne schweben dicht über dem Boden. Andere hängen zwischen den Zweigen der Bäume. Einige liegen mitten zwischen Blumen und Gräsern. Es gibt große Sterne und kleine Sterne. Goldene und silberne. Und manche schimmern in Farben, für die es vielleicht noch gar keinen Namen gibt.

Du gehst langsam hinein. Ein kleiner Stern schwebt an dir vorbei und sein Licht streift deine Hand. Es fühlt sich warm an. Ein anderer Stern saust über deinen Kopf hinweg. Und plötzlich hörst du etwas. Eine Stimme. Ganz leise. Du schaust dich um. Lumi lächelt. „Die Sterne erzählen Geschichten.“

Du gehst zu einem kleinen goldenen Stern. Als du dich ihm näherst, beginnt sein Licht zu flimmern. Und plötzlich entsteht mitten in seinem Leuchten ein kleines Bild. Vielleicht siehst du jemanden, der über eine wunderschöne Wiese läuft. Vielleicht ein Tier, das nach langer Suche endlich nach Hause findet. Vielleicht siehst du zwei Freunde, die miteinander lachen. Oder jemanden, der etwas geschafft hat, obwohl er vorher geglaubt hat, dass er es niemals schaffen würde. Welche Geschichte der Stern dir erzählt, entscheidest nur du.

Du bleibst einen Moment stehen und hörst zu. Dann gehst du weiter. Der nächste Stern erzählt eine andere Geschichte und der nächste wieder eine andere. Manche Geschichten machen dich neugierig. Manche sind lustig. Manche sind ganz ruhig. Und manche fühlen sich einfach schön an.

Während du durch Lumis Sternengarten gehst, bemerkst du plötzlich ein warmes Gefühl in deinem Bauch. Ganz klein beginnt es. Wie ein winziger Lichtpunkt. Du legst vielleicht eine Hand auf deinen Bauch. Das warme Gefühl wird ein bisschen größer und breitet sich ganz langsam aus. Bis in deine Brust, bis in deine Arme und bis in deine Fingerspitzen. Du fühlst dich leicht. Fast so, als wäre auch in dir ein kleiner Stern angegangen.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl. Wenn etwas einfach schön ist. Wenn du dich freust, ohne genau sagen zu können, warum. Wenn du am liebsten noch ein bisschen länger dort bleiben möchtest, wo du gerade bist. Du musst nichts dafür tun. Du darfst dieses schöne Gefühl einfach genießen.

Da fliegt plötzlich ein besonders frecher kleiner Stern direkt auf dich zu. Er schwebt vor deinem Gesicht. Du schaust ihn an. Er kommt ein bisschen näher und noch ein bisschen näher. Dann kitzelt sein Licht deine Nasenspitze. Du musst lächeln. Der Stern hüpft zurück. Dann kommt er noch einmal und wieder kitzelt sein Licht deine Nase. Vielleicht musst du jetzt sogar ein bisschen lachen. Auch Lumi lacht. Der kleine Stern scheint sehr zufrieden mit sich zu sein und dreht eine fröhliche Runde um euch beide, bevor er wieder zwischen den anderen Sternen verschwindet.

Du und Lumi geht weiter durch den Garten. Überall funkelt und glitzert es. Doch plötzlich bleibt Lumi stehen. Ganz hinten im Garten leuchtet ein Stern heller als alle anderen. Er hängt nicht an einem Baum und liegt nicht zwischen den Blumen. Er schwebt einfach in der Luft. Ganz ruhig.

Du gehst langsam auf ihn zu. Je näher du kommst, desto wärmer wird sein Licht. Es blendet dich nicht. Es fühlt sich weich an. Fast wie eine warme Decke aus Licht. Der Stern beginnt sich zu bewegen und schwebt ganz langsam auf dich zu, bis er direkt vor dir ist.

Du hältst deine Hände auf. Der Stern sinkt hinein. Er ist federleicht und du spürst nur seine angenehme Wärme. Plötzlich merkst du, dass in seinem Licht etwas verborgen ist. Ein Traum. Dein Traum für diese Nacht.

Du kannst noch nicht erkennen, was darin passiert. Vielleicht wartet dort ein Abenteuer auf dich. Vielleicht ein wunderschöner Ort. Vielleicht jemand, den du gerne sehen möchtest. Vielleicht kannst du fliegen oder mit Tieren sprechen. Vielleicht wartet auch nur eine weiche Wolke auf dich, auf der du durch den Sternenhimmel reisen kannst. Du musst es noch nicht wissen. Denn Träume verraten ihre Geschichten erst, wenn wir schlafen.

Der Stern wird kleiner und kleiner, bis er nur noch so groß ist wie ein winziger Lichtpunkt. Dann steigt er von deinen Händen nach oben und berührt ganz vorsichtig deine Stirn. Sein Licht verschwindet sanft in dir. Dein Traum ist jetzt bei dir.

Lumi nimmt noch einmal deine Hand. Gemeinsam setzt ihr euch mitten in den Sternengarten ins weiche Gras. Du schaust nach oben. Über dir funkeln die Sterne am Himmel. Um dich herum leuchten die Sterne im Garten. Und irgendwo in dir wartet dein eigener kleiner Traumstern.

Du atmest langsam ein und wieder aus. Das warme Gefühl in deinem Bauch ist noch immer da. Ruhig, leicht und zufrieden. Vielleicht liegt sogar noch ein kleines Lächeln auf deinem Gesicht. Du spürst langsam wieder dein Bett unter dir, dein weiches Kissen und deine Decke. Deine Arme werden schwer, deine Beine werden schwer und deine Augen möchten geschlossen bleiben.

Lumi sitzt noch einen Moment neben dir. Dann steht sie ganz leise auf. Sie weiß, dass du jetzt keinen Begleiter mehr brauchst. Denn Traumilo wartet schon. Er nimmt den kleinen Traumstern, den Lumi dir geschenkt hat, und trägt ihn vorsichtig hinüber in deinen Schlaf.

Du brauchst nur noch loszulassen. Vielleicht beginnt die Geschichte deines Sterns gleich. Vielleicht hat sie sogar schon angefangen. Schlaf schön und träum etwas Wunderbares. Gute Nacht.

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