Sanft glitzerte der Miralumiwald im silbernen Mondlicht.
Auf einer weichen, von funkelnden Tautropfen bedeckten Waldlichtung lagen Mira und Lumi im kühlen Gras. Über ihnen spannte sich ein tiefblauer Nachthimmel, an dem unzählige Sterne wie kleine Diamanten funkelten. Der große, runde Mond schien heute heller als je zuvor und tauchte den ganzen Wald in ein geheimnisvolles, sanftes Licht.
„Schau nur, Mira!“, flüsterte Lumi begeistert und deutete nach oben. „Die Sterne funkeln heute besonders schön! Und sieh dir den Mond an – so riesig und rund!“
Mira lächelte.„Er ist wunderschön. Fast so hell wie deine Lichtkugeln.“Lumi musste lachen.
„Ach was! Meine Lichtkugeln sind längst nicht so hell. Schau nur, wie wunderbar der Mond den ganzen Wald erleuchtet. Ich kann sogar die kleinen Käuzchen dort oben auf dem Ast erkennen.“
Mira blickte nach oben. Tatsächlich. Hoch oben zwischen den Blättern saßen zwei winzige Käuzchen eng aneinander gekuschelt und blinzelten verschlafen in die Nacht.
Plötzlich durchschnitt ein lautes Geräusch die friedliche Stille „Uaaaaahhhh…!“ Lumi zuckte erschrocken zusammen. Sofort setzte sie sich auf und stellte ihre feinen Elfenohren aufmerksam auf. „Hast du das gehört?“Mira nickte langsam.
Da ertönte das Geräusch erneut. Noch lauter.„UAAAAAHHHH…! Ooooohhh…!“ Lumi schluckte.„Das… das klingt unheimlich.“Mira erhob sich vorsichtig in die Luft und blickte aufmerksam über die Baumwipfel. „Ich kann nichts erkennen.“
Lumi streckte ihre Hände aus. Zwischen ihren Fingern entstand langsam eine wunderschöne, goldene Lichtkugel. Sie wurde größer und größer, bis sie hell wie eine kleine Sonne über den beiden Elfen schwebte.

Gemeinsam flogen sie dem geheimnisvollen Geräusch entgegen. Je weiter sie durch den nächtlichen Wald glitten, desto lauter wurde das seltsame Rufen.„Uaaaaaahhhh…!“ „Wir müssen ganz in der Nähe sein“, sagte Mira leise. Lumi blickte sich suchend um.„Aber ich sehe überhaupt niemanden.“
Da entdeckten sie vor sich ein dichtes Brombeergebüsch, dessen Zweige fast den gesamten Waldboden bedeckten. „Von dort kommt das Geräusch!“, flüsterte Lumi.
Vorsichtig landeten die beiden Elfen vor dem Gestrüpp. Kaum standen sie auf dem Boden, erklang das unheimliche Rufen direkt vor ihnen. „UAAAAAAHHHH…!“ Lumi machte einen kleinen Satz rückwärts. „Das war noch lauter!“
Behutsam schob Mira einige Zweige zur Seite. „Lumi… schau mal!“ Hinter dem dichten Gebüsch verbarg sich ein schmaler Höhleneingang, den beide noch nie zuvor entdeckt hatten.„Diese Höhle habe ich ja noch nie gesehen“, staunte Mira. „Ich auch nicht“, flüsterte Lumi. „Sie war die ganze Zeit hier versteckt.“


Neugierig schoben sie weitere Zweige zur Seite und traten vorsichtig in den dunklen Eingang. „Zum Glück hast du immer eine Lichtkugel dabei“, sagte Mira lächelnd. Lumi ließ ihre leuchtende Kugel ein Stück höher schweben. Ihr warmes Licht tanzte über die feuchten Felswände.

Doch plötzlich hallte das Geräusch erneut durch den langen Höhlengang. „UAAAAAHHHHH!“ Jetzt klang es noch viel gewaltiger. Lumi rückte ganz dicht an Mira heran. „Vielleicht sollten wir lieber wieder umkehren.“ Mira schüttelte entschlossen den Kopf. „Nein. Vielleicht braucht dort drinnen jemand Hilfe.“
Mutig ging sie weiter. Lumi atmete einmal tief durch, nahm all ihren Mut zusammen und folgte ihrer Freundin in das geheimnisvolle Dunkel der Höhle.

Die beiden Elfen folgten dem schmalen Höhlengang immer tiefer in den Felsen hinein. Das warme Licht von Lumis goldener Lichtkugel tanzte über die rauen Steinwände und ließ glitzernde Kristalle wie winzige Sterne aufleuchten. Es roch nach feuchter Erde, Moos und einem Hauch von Tannennadeln.
„Uaaaaahhhh…!“ Das Geräusch hallte erneut durch die Höhle und ließ selbst die kleinen Tropfen an der Decke erzittern. Lumi blieb stehen und griff nach Miras Hand. „Das klingt ja noch viel schrecklicher als draußen.“ Mira drückte ihre Hand beruhigend.„Hab keine Angst. Wir sind zusammen.“
Langsam gingen sie weiter. Plötzlich weitete sich der enge Gang zu einer riesigen Höhle. Mitten darin lag etwas Großes.Etwas Braunes. Etwas unglaublich Plüschiges. Im flackernden Licht sah es aus wie ein gewaltiger, flauschiger Berg.
Die beiden Elfen blieben stehen. „Ist… das ein Felsen?“, flüsterte Lumi. Mira kniff die Augen zusammen. „Ich glaube nicht.“ Gerade als sie einen Schritt näher flogen, begann sich der riesige Berg zu bewegen. „Aaaaaah!“, riefen beide Elfen gleichzeitig.
Der braune Berg richtete sich ruckartig auf. „Autsch!“Mit einem dumpfen Rumms! stieß er sich den Kopf an der schiefen Höhlendecke. Kleine Steinchen purzelten von oben herab.Verdutzt rieb sich der riesige Bewohner der Höhle seine Stirn. Dann öffnete er langsam seine Augen. Zwei große, warme, haselnussbraune Bärenaugen blickten direkt in die ebenso überraschten Gesichter von Mira und Lumi.

Für einen Augenblick sagte niemand ein Wort. Dann riefen beide Elfen gleichzeitig: „Ein Bär!“ Der Bär blinzelte verwundert. „Ähm… hallo?“Lumi zeigte mit dem Finger auf ihn. „Du… du hast diese furchtbaren Geräusche gemacht?“
Der Bär wurde ganz verlegen. „Oh… ja.“ Mira flog vorsichtig ein Stück näher.„Tut dir etwas weh?“
Der große Bär schüttelte langsam den Kopf.„Nein… jedenfalls nicht so richtig.“ Er kratzte sich hinter dem Ohr.„Habe ich euch erschreckt? Das wollte ich wirklich nicht.“
Lumi musste erleichtert lachen. „Wir dachten schon, hier wohnt ein riesiger Drache!“
Der Bär begann herzlich zu lachen. Sein tiefes Lachen klang so freundlich, dass die ganze Höhle davon erfüllt wurde. Ich? Ein Drache? Das wäre ja mal etwas.“
Auch Mira musste schmunzeln. „Wie heißt du denn?“ „Ich heiße Bruno.“ Der Bär seufzte leise und ließ die Schultern hängen.„Eigentlich wollte ich längst schlafen.“ „Schlafen?“, fragte Mira.
Bruno nickte.„Der Winter steht vor der Tür. Ich habe mir diese Höhle ausgesucht, damit ich meinen langen Winterschlaf halten kann.“ Er zeigte auf sein Lager. „Ich habe mich schon vor einigen Tagen hier eingerichtet.“ Dann wurde sein Blick traurig. „Aber ich kann einfach nicht einschlafen.“
Er drehte sich auf die linke Seite. „Ich lege mich so.“ Er drehte sich auf die rechte Seite.„Dann wieder so.“ Schließlich rollte er sich auf den Rücken. „Oder auf den
Er setzte sich wieder auf. „Aber egal, wie ich liege – der Schlaf will einfach nicht kommen.“
Mira sah ihn mitfühlend an.„Armer Bruno.“ Lumi schaute sich aufmerksam in der Höhle um. „Vielleicht ist dein Bett einfach viel zu hart.“ Bruno blickte auf den nackten Steinboden. „Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht.“ „Auf einem kalten Felsen könnte ich jedenfalls nicht schlafen“, meinte Lumi und verzog das Gesicht. Mira nickte begeistert. „Dann machen wir dir eben ein richtig gemütliches Bärenbett!“
Sofort machten sich die beiden Elfen an die Arbeit. Sie flogen hinaus in den nächtlichen Wald und sammelten weiches, samtiges Moos, duftende Tannenzweige, goldene Herbstblätter und flauschige Gräser. Immer wieder trugen sie kleine Bündel in die Höhle. Schicht für Schicht entstand ein riesiges, kuscheliges Nest.
Als sie fertig waren, war das Bett so weich, dass selbst die Wolken am Himmel neidisch geworden wären. Bruno legte sich vorsichtig hinein. „Ooooh…“ Ein glückliches Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Das ist ja herrlich weich.“ Er kuschelte sich tief in das Moos.

„Vielen Dank.“ Langsam schloss er die Augen. Mira und Lumi lächelten sich an. Ganz leise schlichen sie zum Höhlenausgang.
Doch kaum hatten sie ein paar Schritte gemacht, erklang wieder das bekannte Geräusch. „Uaaaaaaahhhh!“ Die beiden drehten sich erschrocken um.
Mira legte Bruno tröstend eine Hand auf den großen, flauschigen Arm. „Mach dir keine Sorgen. Uns fällt bestimmt noch etwas ein.“ Lumi nickte eifrig. Plötzlich strahlten ihre Augen.„Natürlich! Warum sind wir nicht gleich darauf gekommen?“ „Traumilo!“, rief Mira lächelnd. „Genau!“, jubelte Lumi. „Wenn sich jemand mit Schlaf und Träumen auskennt, dann unser lieber Sandmann!“
Bruno hob neugierig den Kopf. „Ein Sandmann? Gibt es den wirklich?“
„Und ob!“, antwortete Lumi stolz. „Er bringt allen Waldbewohnern wunderschöne Träume.“ „Na ja…“, schmunzelte Mira, „manchmal stolpert er noch ein bisschen dabei.“ Lumi musste lachen. „Das stimmt. Aber zum Glück hat er ja Nebuli.“
Gemeinsam verließen sie die Höhle. Draußen war der Miralumiwald noch immer in silbernes Mondlicht getaucht. Zwischen den Baumwipfeln tanzten Glühwürmchen, und irgendwo zirpte eine kleine Grille ihre ruhige Nachtmelodie.
Mira legte die Hände an den Mund. „Neeeeebuliiiiii!“Lumi rief gleich mit. „Nebuliiiiii! Wo bist du?“
Einen Moment blieb alles still. Dann schwebte lautlos eine kleine, flauschige Wolke zwischen den Baumwipfeln hervor. Auf ihr saß zusammengerollt eine silbergraue Traumkatze mit schimmernden Sternenflecken im Fell. Ihr buschiger Schweif pendelte fröhlich hin und her. „Mrrrr“, schnurrte Nebuli zufrieden.

Mit einem eleganten Sprung landete er vor den beiden Elfen und schmiegte sich schnurrend an ihre Beine.
Mira streichelte sanft Nebulis Fell. Da hörten sie eine aufgeregte Stimme.„Nebuliiii! Warte doch auf mich!“ Hinter der kleinen Wolke schwebte ein junger Sandmann mit einem dunkelblauen Umhang, der mit goldenen Sternen bestickt war. Auf seinem Rücken trug er einen riesigen Traumsack, der beinahe größer war als er selbst. Er ruderte mit Armen und Beinen durch die Luft.„Du bist einfach viel zu schnell!“
Nebuli blickte unschuldig über die Schulter. Traumilo landete schließlich keuchend neben ihnen.„Du hast mich schon wieder einfach stehen lassen.“ Nebuli setzte seinen allersüßesten Blick auf. Traumilo musste lachen. „Dir kann man einfach nicht böse sein..“
Die Traumkatze schnurrte zufrieden. „Wir haben Nebuli gerufen. Hast du es nicht gehört?“ fragte Mira
„Ehrlich?“, fragte Traumilo überrascht. „Nein. Aber Nebuli hat ein Gehör wie ein Luchs.“ Nebuli stellte stolz seine Ohren auf. Lumi grinste. „Das stimmt wirklich. Niemand im Miralumiwald hat so gute Ohren wie Nebuli.“ Die Traumkatze reckte stolz die Brust.„Und die beste Nase!“ lachte Mira. „Deshalb brauchen wir eure Hilfe.“Sofort wurde Traumilo ernst. „Ist etwas passiert?“
Mira erzählte von Bruno, seiner versteckten Höhle und davon, dass der große Bär trotz seiner Müdigkeit einfach nicht einschlafen konnte.
Traumilo runzelte nachdenklich die Stirn. „Das ist wirklich seltsam.“ Er legte den Kopf schief. „Als Bruno sich vor einigen Tagen zum Winterschlaf zurückgezogen hat, habe ich ihm extra eine besonders große Traumblase gebracht.“ „Eine ganz besonders schöne“, ergänzte Nebuli.Traumilo nickte. „Eine blaue Traumblase. Sie schenkt ruhige, fröhliche Träume und hilft besonders den Tieren, die einen langen Winterschlaf halten.“
Lumi schaute erstaunt. „Dann hätte Bruno doch längst schlafen müssen.“ „Eben.“ Traumilo kratzte sich am Kopf. „Deshalb verstehe ich das überhaupt nicht.“
Nebuli richtete aufmerksam seine Ohren auf. Seine Schnurrhaare begannen leicht zu zittern. Irgendetwas stimmte hier nicht. Er schnupperte vorsichtig in die kühle Nachtluft, blieb plötzlich wie angewurzelt stehen und blickte aufmerksam in Richtung der Höhle. „Was ist denn los, Nebuli?“, fragte Mira leise. Die kleine Traumkatze rührte sich nicht. Ihre Ohren zuckten, und ihr Blick wanderte langsam über den dunklen Waldrand.

Traumilo beobachtete seinen treuen Begleiter aufmerksam. „Wenn Nebuli sich so verhält, hat er meistens etwas gespürt“, sagte er nachdenklich. „Er weiß vielleicht noch nicht, was es ist – aber sein Traumgespür täuscht sich fast nie.“ Mira nickte entschlossen. „Dann sehen wir lieber gemeinsam nach.“Die vier Freunde machten sich auf den Weg zurück zur versteckten Höhle.
Keiner von ihnen bemerkte, dass sich hoch oben zwischen den Ästen eines alten Baumes zwei leuchtende Augen öffneten.Lautlos beobachtete eine kleine Gestalt, wie sie im Mondlicht zwischen den Farnen verschwanden. Dann huschte der geheimnisvolle Schatten lautlos davon.
Gemeinsam kehrten sie in die Höhle zurück. Bruno lag in seinem weichen Moosbett, die Augen weit offen, und seufzte so schwer, dass ein paar Blätter davonflatterten. „Guten Abend, Bruno“, sagte Traumilo freundlich. „Guten Abend, Bruno“, sagte Traumilo freundlich.
„Guten Abend“, brummte Bruno müde. „Bist du der Sandmann?“Traumilo richtete sich stolz auf. „Fast. Ich bin Traumilo – ein Traumbringer in Ausbildung. Bis zum Sandmann muss ich noch einiges lernen.“ Nebuli setzte sich neben ihn und begann leise zu schnurren. Traumilo lächelte und kraulte ihm sanft den Rücken. „Und das ist Nebuli. Er spricht zwar nie, aber meistens versteht er alles viel schneller als ich.“ Nebuli blinzelte zufrieden und stupste Traumilo mit seiner kleinen Nase an.
Er öffnete seinen Traumsack und schaute hinein. Darin schimmerten unzählige zarte Traumblasen in allen Farben: blaue, grüne, goldene, rosafarbene und violette. Sie schwebten leise durcheinander und klangen dabei wie winzige Glöckchen.„Deine Traumblase müsste eigentlich längst bei dir sein“, murmelte Traumilo. Nebuli hob das Näschen in die Luft. Er schnupperte einmal. Dann noch einmal. Seine Ohren stellten sich auf. „Ich rieche sie.“ „Wo?“, fragte Mira.Nebuli schlich über den Höhlenboden. Seine Pfoten traten lautlos auf Stein und Moos. Er folgte einer unsichtbaren Spur, an einer Wurzel vorbei, über einen flachen Felsen und schließlich bis zu einem kleinen dunklen Loch in der Höhlenwand.Dort blieb er stehen.„Hier ist sie hinausgeflogen.“
Traumilo blinzelte verdutzt. „Das kann nicht sein. Traumblasen fliegen nicht einfach davon. Sie suchen ihren Träumer und bleiben bei ihm.“ Nebuli schnupperte erneut. Dann zog er die Nase kraus. „Sie ist nicht allein hinausgeflogen.“ Lumi bekam große Augen.„Was heißt das?“ „Jemand hat sie mitgenommen“, sagte Nebuli leise.
In der Höhle wurde es ganz still. Bruno setzte sich erschrocken auf. „Jemand hat meinen Traum gestohlen?“ Mira legte ihm beruhigend die Hand auf die Pfote. „Wir finden eine Lösung.“ Traumilo wühlte in seinem Traumsack.„Ich habe vielleicht noch eine große Traumblase.“Er suchte zwischen funkelnden Schlafperlen, Sternenstaub und kleinen Traumfäden. Schließlich zog er vorsichtig eine prächtige violette Traumblase hervor. Sie schimmerte mal lila, mal dunkelblau und mal silbern. In ihrem Inneren wirbelten kleine Bilder: ein lachender Bär, tanzende Schneeflocken, ein glitzernder Berg und ein geheimnisvoller Waldweg.
„Das ist meine letzte große Traumblase für heute“, sagte Traumilo. „Sie ist violett. Das bedeutet: lustig, warm und ein kleines bisschen spannend.“ Brunos müde Augen leuchteten auf. „Spannend und lustig? Das klingt wunderbar. Dann wird mir im langen Winter bestimmt nicht langweilig.“ „Dann mach es dir bequem“, sagte Mira sanft.

Bruno legte sich wieder in sein Moosbett. Lumi ließ ihre Lichtkugel kleiner werden, bis sie nur noch wie ein weicher Stern über ihnen schwebte. Traumilo trat an Bruno heran und pustete die violette Traumblase vorsichtig in die Luft. Sie schwebte über Brunos Nase, drehte sich einmal langsam im Kreis und legte sich dann wie ein hauchzarter Schleier über sein Gesicht.
„Schlaf schön, Bruno“, flüsterte Traumilo. Bruno gähnte. Dieses Mal war es kein lautes, verzweifeltes Uaaaaah, sondern ein tiefes, warmes, zufriedenes Bärengähnen. „Vielen Dank“, murmelte er. „Ich bin froh, dass ich euch kennengelernt habe.“
Seine Augenlider wurden schwer. Sein Atem wurde ruhig. Nach wenigen Augenblicken schlief Bruno fest und friedlich. Ein leises Schnarchen erfüllte die Höhle.

„Er schläft“, flüsterte Lumi erleichtert. Mira lächelte. „Endlich.“ Ganz vorsichtig schlichen die Freunde zum Höhlenausgang. Draußen empfing sie die klare, kühle Nacht. Der Mond stand inzwischen etwas tiefer am Himmel, und der Miralumiwald wirkte noch stiller als zuvor.
„Danke, dass ihr gekommen seid“, sagte Mira. „Sehr gern“, schnurrte Nebuli. Traumilo nickte. „Ein Bär ohne Traum, das geht ja wirklich nicht.“ Lumi sah zur Höhle zurück. „Aber ich möchte schon wissen, wie eine Traumblase einfach verschwinden kann.“ Sie ist nicht einfach verschwunden“, sagte Nebuli nachdenklich. Seine Nase zuckte. Er schnupperte in die Nachtluft. „Da war noch ein Geruch.“ „Was für einer?“, fragte Mira.
Nebuli legte den Kopf schief.„Fremd. Ein bisschen wie kalter Nebel. Ein bisschen wie alte Blätter. Und ein winziger Hauch von Sternenstaub.“ Traumilo zog seinen Umhang enger um sich. „Das klingt nicht nach einem gewöhnlichen Waldbewohner.“ „Nein“, sagte Nebuli leise. „Das war keiner.“
Für einen Moment lauschten alle in die Dunkelheit. Doch sie hörten nur den Wind in den Zweigen und Brunos friedliches Schnarchen aus der Höhle. „Wir sollten morgen weiter nach Spuren suchen“, sagte Mira. Lumi nickte. „Aber jetzt ist es spät. Sogar meine Lichtkugel wird müde.“ Tatsächlich flackerte das kleine goldene Licht einmal schläfrig auf.
Nebuli sprang zurück auf seine Wolke. Traumilo hob seinen Traumsack über die Schulter. Wir müssen noch ein paar Träume verteilen“, sagte er. „Die Hasenkinder warten bestimmt schon.“ „Und die Maus in der Wurzelhöhle“, ergänzte Nebuli. „Die wünscht sich heute einen Traum mit Käsekuchen.“
Lumi kicherte. „Dann beeilt euch lieber.“ Nebuli schnurrte zum Abschied, und Traumilo winkte. Dann schwebten die beiden zwischen den Baumkronen davon, begleitet von einem feinen Glitzern aus Sternenstaub.
Mira und Lumi flogen langsam zurück zu ihrer Lichtung. Der Wald war wieder friedlich. Die Käuzchen schliefen inzwischen tief und fest, und der Mond legte einen sanften, silbernen Mantel über Farne, Pilze und Blumen. „Ich freue mich, dass Bruno schlafen kann“, sagte Mira. „Ich auch“, antwortete Lumi. „Aber diese verschwundene Traumblase gefällt mir gar nicht.“ Mira sah nachdenklich in den dunklen Wald. „Mir auch nicht. Vielleicht war es ein Versehen.“ „Vielleicht“, sagte Lumi. Doch ganz überzeugt klang sie nicht.
Schließlich kuschelten sich die beiden Elfen in ihre kleinen Feennestchen aus Blütenblättern, Moos und Mondfäden. Bald wurden auch ihre Augen schwer.
Und während Mira und Lumi einschliefen, träumte Bruno tief in seiner Höhle von einem lustigen Winterabenteuer: Er rutschte auf einer glitzernden Schneerutsche, trank warmen Honigtee mit tanzenden Schneeflocken und lachte so herzlich, dass selbst die Berge in seinem Traum mitwackelten.
Doch hinter der Höhle, dort, wo das Mondlicht die Baumwurzeln kaum erreichte, hockte still eine kleine Gestalt im Schatten. Sie hielt etwas Blaues in den Händen. Etwas Rundes. Etwas, das leise schimmerte wie ein verlorener Traum.
Die Gestalt kicherte kaum hörbar. „Nur eine“, flüsterte sie. „Nur diese eine. Niemand wird es merken.“ Dann huschte sie zwischen Farnen und Nebel hindurch davon.
Und für einen winzigen Augenblick roch die Nacht nach kaltem Nebel, alten Blättern und Sternenstaub.
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